09.01.2018

Drei ausgezeichnete Projekte und ein Ehrenpreis


Im Vorfeld des Bundesliga-Heimspiels gegen Schalke 04 fand die fünfte Preisverleihung des im gedächtnis bleiben-Preises statt. Den feierlichen Rahmen bildete, wie in den Vorjahren auch, die Waldtribüne des Eintracht-Frankfurt-Museums auf dem Platz vor der Haupttribüne. Ausgezeichnet wurden drei herausragende Projekte aus Hessen, denen gemeinsam ist, dass sie sich gegen Ausgrenzung einsetzen und zudem einen Bezug zum Fußball haben. Auch ein Ehrenpreis wurde wieder verliehen. 
EFC Regenbogenadler - im gedächtnis bleiben-Preisträger 2017 Noch immer scheint Homosexualität ein Tabuthema im Profifußball zu sein. Auch unter den Zuschauern sind Feindseligkeiten gegenüber Lesben und Schwulen (Homophobie) festzustellen.  Der EFC Regenbogenadler setzt sich dafür ein, dass sich diese Situation zum Positiven verändert. Der 2013 gegründete Fanclub ist die erste schwul-lesbische Fangruppierung unter dem Dach des Eintracht Frankfurt Fanclubverbandes. Über fünfzig Mitglieder hat der EFC – Eintrachtlerinnen und Eintrachtler jeglicher sexueller Orientierung. Wie bei anderen Fanclubs steht bei den Regenbogenadlern die Faszination für den Fußball und für ihren Verein im Vordergrund. Darüber hinaus engagieren sich die Fans auch gegen Diskriminierung und für Vorurteilsfreiheit, wofür sie nun ausgezeichnet wurden. Neben diversen weiteren Aktivitäten wie der Teilnahme am jährlichen Lauf für mehr Zeit zu Gunsten der Frankfurter Aids-Hilfe beteiligt sich der EFC vor allem an der Demonstration anlässlich des Christopher Street Day. Damit werben die Eintracht-Fans – unterstützt von den Mitgliedern anderer Fanclubs – in der Öffentlichkeit für ihr Anliegen und setzen ein sichtbares Zeichen für Toleranz, Weltoffenheit und gegen Homophobie.  
F-Jugend Tvgg Lorsch - im gedächtnis bleiben-Preisträger 2017 Um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen, initiierte die F-Jugend-Mannschaft der Tvgg. Lorsch die Aktion Mit breiter Brust gegen Rassismus. Die Idee: Anstatt eines Sponsoren-Logos sollte der Schriftzug Wir gegen Rassismus auf den Trikots der Spieler zu lesen sein. Wie der Trainer der Juniorenmannschaft aus dem Kreis Bergstraße sagte, hatte Eintracht Frankfurt  mit der Aktion United Colours of Frankfurt eine Vorbildfunktion für das Projekt. Allerdings gaben sich die Lorscher nicht damit zufrieden,  einfach Trikots zu bestellen. Die ganze Aktion sollte mit den Spielern besprochen und reflektiert werden. Die F-Jugend-Mannschaft nutzte deshalb einen verregneten Trainingsabend, um sich mit dem Thema Fußball-Trikots (Geschichte der Spielkleidung, Vereinsfarben, Produktionsbedingungen etc.) zu beschäftigen. Damit wurde den Kindern ein wichtiger Aspekt der Fußball-Geschichte und -Kultur nähergebracht. An einem weiteren Abend sprachen die Juniorenfußballer über die Idee, mit Trikots ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen, und malten ihr Wunschtrikot auf Papier. Gemeinsam wurde besprochen, wie verletzend es für einen Menschen ist, wenn er wegen seiner Herkunft oder seiner Hautfarbe beleidigt oder benachteiligt wird. Die Betreuer vermittelten, dass jeder Mensch aufgefordert ist, einzuschreiten und "Stopp" zu sagen, wenn er ein solches Verhalten beobachtet oder davon erfährt. Da gerade der Sport vom Miteinander lebt und auf Solidarität angewiesen ist, haben Fußballer eine besondere Verantwortung. Dieser Verantwortung werden die Nachwuchskicker der Tvgg. Lorsch mit ihren neuen Trikots gerecht. 
FC Gudesding - im gedächtnis bleiben-Preisträger 2017 Der vor fünf Jahren gegründete FC Gudesding ist international. Menschen mit zweiundzwanzig verschiedenen Nationalitäten spielen im Verein Fußball. Damit beweist der Klub, seinem eigenen Anspruch gerecht zu werden, mit dem Fußballsport auch ein gewisses gesellschaftspolitisches Engagement zu verbinden. Die Aspekte Integration und Anti-Diskriminierung stehen dabei ganz oben auf der Vereinsagenda. Eine besondere Initiative bildet der Spieltag gegen Antisemitismus, den der FC Gudesding in Reaktion auf Schmierereien rechtsradikalen Inhalts auf der eigenen Sportanlage ins Leben gerufen hatte und der im April 2016 im Fußballkreis Frankfurt unter reger Beteiligung anderer örtlicher Verein durchgeführt wurde. Ein Schulterschluss gegen rechtsextreme Gewalt im Fußball – vom Kreis- bis zum Bundesligisten. Um der Initiative Nachhaltigkeit zu verleihen, soll der Aktionstag dauerhaft etabliert und auf weitere Vereine ausgeweitet werden. Bei der Durchführung im April 2018 soll ein Film gedreht werden, der dann zur Aufklärung in Schulen gezeigt werden kann.  
Eberhard Schulz – im gedächtnis bleiben -Ehrenpreisträger 2017 Den Ehrenpreis 2017 erhält Eberhard Schulz für seine Arbeit im Netzwerk Nie wieder – Initiative Erinnerungstag im deutschen Fußball. Die 2004 ins Leben gerufene Initiative ist an die Botschaft der Überlebenden des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau angelehnt. Gründungsort des Netzwerkes war die Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Seither entwickelte sich das Projekt zu einem starken Bündnis aus Einzelpersonen, Fangruppen und Fanprojekten, Vereinen, Verbänden und Institutionen aus dem Fußball. Die Bündnispartner setzen regelmäßig mit klugen und kreativen Aktionen ein unübersehbares Zeichen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus im Sport und in der Gesellschaft. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Organisation und Durchführung von Gedenkveranstaltungen an den Spieltagen rund um den gesetzlichen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland, dem sogenannten Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und der beiden anderen KZ in Auschwitz (27. Januar). Dem Selbstverständnis einer Graswurzelbewegung entsprechend, planen und organisieren die Bündnispartner ihre Veranstaltungen autonom. Umso wichtiger ist es, dass die einzelnen Aktionen und Projekte gut vorbereitet und koordiniert werden und das Anliegen gegenüber den Akteuren im Sport, den Medien und der Öffentlichkeit vermittelt wird. In seiner Rolle als Sprecher und Kopf der Initiative Nie wieder erfüllt Eberhard Schulz diese Aufgabe mit größtem Einsatz, angetrieben von einer starken persönlichen Motivation, eine würdige Erinnerungskultur zu pflegen, die auch mahnend in die gegenwärtige Gesellschaft wirkt.    

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